Ein Bischof in Ebersbach
Bischof Werner Philipp, Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche, macht Station im CREDO auf seiner Hoffnungstour
Ein Sonntag in der diesjährigen Fastenzeit erwies sich als ein besonderer Sonntag für das CREDO in Ebersbach. Bischof Werner Philipp machte auf seiner Hoffnungstour Halt in Ebersbach. So hoher Besuch ist nicht alltäglich, auch nicht im CREDO, und so war das Programm an diesem Sonntag ein besonderes. Der Predigt folgte ein Interview, um den Bischof besser kennenzulernen, danach gab es ein gemeinsames Mittagessen und anschließend wurde ein Apfelbäumchen der Sorte Topas gepflanzt. Auch die weltliche Obrigkeit in der Person von Manuela Raichle, der neuen Bürgermeisterin von Ebersbach, besuchte sowohl den Gottesdienst und nahm auch aktiv an der Pflanzung des Apfelbäumchens teil.
Aber von vorne: der Bischof hielt den Gottesdienst und betonte in seiner Predigt das geistliche Prinzip der Hoffnung. Das ist es, was die Welt heute von der Kirche braucht, Hoffnung. In einer Welt, die so hoffnungslos geworden ist, wo die Angst und das Unbehagen immer mehr um sich greifen, da wollen die Menschen, dass ihnen Hoffnung zugesprochen wird. Die Kirche muss wieder ein Ort werden, an dem man aufatmen und Zurüstung für den anstrengenden Alltag erfahren kann.
Werner Philipp entfaltete seine Gedanken zur Hoffnung an den biblischen Personen Pilatus, Barabas und Jesus, Personen, wie sie in dem Buch „24 Stunden“ von Adam Hamilton beschrieben werden, das in der Passionszeit 2026 Gegenstand der Betrachtung in verschiedenen Gemeindegruppen der CREDO sind. Drei Personen, die von der vergebenden Liebe Jesu leben und weben, auch wenn sie es selber gar nicht wissen, und die Hoffnung brauchen in jeder Phase ihres Lebens. Über der Predigt stand die Frage, die Pilatus stellt: „Was hat er denn Böses getan?“
Es gibt Hoffnung, weil wir an die Auferstehung Jesu glauben. Jesus antwortet Pilatus nicht, die Hoffnung wächst aus der Stille. Jesu Schweigen hat mit uns Menschen zu tun, sein Schweigen ist machtvoller als reden. Er schweigt, weil er nicht vorhat, sich zu retten, er akzeptiert sein Leiden und Sterben. Die Kraft der Stille hält auch in der Öffentlichkeit stand. Jesus ist es, der die Last auf sich nimmt, die wir nicht tragen können. Und weil die Menge brüllt, dass Pilatus ihnen Barabas frei geben soll, Barabas, den Mörder, der aus dem Gefängnis kommt, kann in ihm der erste Mensch gesehen werden, für den Jesus stirbt. „Die höchste Vollkommenheit ist die, Gottes bedürftig zu sein“, schreibt Kierkegaard. Jesu Sterben ist das Mysterium der Liebe, die abgründig tief ist. Aber der Preis ist bezahlt, ein für alle Mal. Jesus hat nichts getan, er entsprach nur nicht den Vorstellungen der damaligen Zeit. Jesus bringt auf eine ganz andere Weise Leben, und das ist die Grundlage unserer Hoffnung, nicht Optimismus, sondern Ostern und das, was vorausging. Das leere Grab beweist diese Sicht, Gott hat gesprochen. Der Baum, der an diesem Tag gepflanzt wurde, erinnert an das Kreuz. Darum pflanzen wir diesen Baum, der Hoffnung wegen.
Nach der Predigt beantwortete Bischof Philipp Fragen, die die Gemeinde im Vorfeld stellen konnte, um ihn besser kennenzulernen. Da die Gemeinde eher selten einen Bischof zu Gast hat, war die erste Fragen danach, was ein Bischof so macht. Launig zählte er einen Teil seiner Aufgaben auf. Er reise unentwegt zu Gemeinden, zu Konferenzen, zu Finanzberatungen und zu vielen anderen Veranstaltungen im In- und Ausland. Bei solchen Reisen ist er auch Adam Hamilton begegnet. Ob er sich denn nach dem Bischofsamt gesehnt habe, war eine nächste Frage. Er fühlte lange eine Berufung in sich, den Glauben zu verbreiten, das war die Aufgabe, die in ihm brannte und für die er sich leidenschaftlich einsetzen wollte, für das Amt wird man angefragt, das kann man nicht machen.
Seine Studien zum Thema Hoffnung brachten ihn auf die Hoffnungstour. Ein weiterer Beweggrund für seine Reisen sieht er darin, dass er eben die Gemeinden, für die er steht, auch besuchen und kennenlernen möchte. So kam er auch dazu, das CREDO zu besuchen. Er hatte Freude an unserer Website. Danach gefragt, ob ihn am CREDO etwas beunruhigt habe, sagte er sehr diplomatisch, dass ihm klar war, dass er zu Leuten kommt, die wissen, was sie wollen. Inwieweit er für die christliche Gemeinde heute eine Bedrohung sehe, sagte er ganz klar, immer dort, wo sie Jesus Christus nicht mehr im Fokus hat, da muss Jesus uns den Spiegel vorhalten und wir unsere Identität, den Menschen Mut zu machen, hoffnungsvoll zu leben.
Dazu diente auch das sich anschließende gemeinsame Mittagessen, das zur Stärkung der Gemeinschaft und einer guten Gesprächskultur untereinander beitrug. Dass es ein typisches Sonntagsessen war, begeisterte umso mehr: Braten, Spätzle mit Soße, Blaukraut und Salat. Auch eine süße Verführung als Nachtisch wurde gereicht. Dazu gab es noch gleich im Anschluss Kaffee und Kuchen. Ein dickes Lob dafür für die Köche und Küchenhelferinnen und Helfer. Das tat der Seele und dem Leib gut nach der geistlichen Stärkung im Gottesdienst.
Dann aber wurde das Zeichen gegeben für die Pflanzung des Apfelbäumchens. Es war die Sorte „Topas“, die auf dem Spielplatz neben der Kirche eingepflanzt wurde. Da konnte ein Teil der opulenten Mahlzeit wieder abgearbeitet werden, mindestens bei denen, die da in Aktion waren.
Bischof Philipp erläuterte noch einmal den Sinn und dann ging’s auch schon ans Werk: Bischof Philipp, Pastor Frank Mader, Bürgermeisterin Raichle und Vertreter der Gemeinde, Wolfgang Riek walteten ihres Amtes und setzten den Baum in die Erde und übergaben ihn seiner Bestimmung.
Danach verabschiedete sich Bischof Philipp, ein wichtiger Tag im Leben der Gemeinde ging zu Ende. Er wird lange im Gedächtnis bleiben, segensreich und wichtig für die Hoffnung, die wir in der Stadt Ebersbach sein können.
Lilli Ell






